30 Jahre vaf - Jubiläumsveranstaltung in Köln

Am 4. Juli 2013 fand in Köln die Jubiläumsveranstaltung (30 Jahre vaf) in guter Stimmung mit interessanten Diskussionen und Informationen, u.a. im FrauenMediaTurm statt. Einen Bericht unseres Mitglieds Liubov Osiatic über die Jubiläumsveranstaltung, der auch an die Presse weitergegeben wurde, finden sie unter

[Bericht Jubiläum vaf, Juli 2013]

 

25 Jahre vaf - Jubiläumsveranstaltung des vaf in Potsdam

Grußwort von Brunhilde Raiser, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates

„Verband aktiv-unabhängiger Frauen“ – im Namen Ihres Verbandes steckt ein frauenpolitischer Anspruch, dem sich viele Mitgliedsverbände des Deutschen Frauenrates, in jedem Fall der Deutsche Frauenrat als Zusammenschluss, verpflichtet sehen.

Unabhängig wollen Frauen sein. Das ist nicht gleichbedeutend mit ungebunden oder bindungslos, sondern verbunden mit Werten wie der selbständigen Ent- scheidung von Frauen über ihre Lebens- form, mit der Möglichkeit, mit der eige- nen Hände und des eigenen Kopfes Ar- beit die eigene Existenz zu sichern und damit nicht angewiesen zu sein auf die

Alimentation durch wen auch immer. Dies widerspricht nicht wenigen Bildern, die mann, aber hin und wieder auch frau, sich immer noch von Frauen machen. Und diese Bilder sind in unserer Gesellschaft immer noch wirkmächtig.

Diesen Bildern entgegen zu wirken, sie durch andere zu ersetzen – dazu bedarf es einer nicht geringen Aktivität – das wissen viele von Ihnen aus ihrer jahrelangen Arbeit in Ihrem Verband und in anderen Zusammenhängen. Dementsprechend ist der erste erkenntnisleitende Teil des Verbandsnamens unabdingbar notwendig, soll denn die Unabhängigkeit wirklich und dauerhaft erreicht werden.

Diese Ziele kann frau nicht alleine verfolgen; sie bedarf dazu der Unterstützung von und des Rückhalts bei anderen; ein Verband bietet dazu vielfältige Möglichkeiten, Interessen auszuloten, im Gespräch miteinander daran zu feilen, sie gemeinsam daraufhin zu prüfen, ob und wie sie erfolgreich vermittelt werden können, sich zu erholen von der einen oder anderen Niederlage oder auch den einen oder anderen Erfolg zu feiern – dazu bedarf es der Gemeinschaft mit anderen als Quelle neuer Ideen und als Naherholungsgebiet. 

Im Namen des Vorstandes des Deutschen Frauenrates gratuliere ich Ihnen herzlich zu Ihrem Jubiläum, danke für die Beiträge, die Vertreterinnen Ihres Verbandes in diesen 25 Jahren zur Arbeit an den gemeinsamen Zielen des Deutschen Frauenrates geleistet haben und wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit Phantasie, gute Ideen und insbesondere einen langen Atem.

 

Brunhilde Raiser 

Vorsitzende 

 

Grußwort von Dr. Gisela Notz, Bundesvorsitzende profamilia

Liebe Frauen, 

ich freue mich, dass der Verband aktiv-unabhängiger frauen (vaf) sein 25-jähriges Jubiläum feiern kann. 25 Jahre, das ist ein viertel Jahrhundert und wahrlich ein Grund zum Feiern. Vor 25 Jahren, das war 36 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft und 32 Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik. Frauen hatten bereits seit 63 Jahren ( mit Unterbrechung) das aktive und passive Wahlrecht und konnten seit 73 Jahren einem Verein oder einer Partei beitreten. Und in Ost und West waren sie seit 32 Jahren (de jure) voll gleichberechtigt mit den Männern. Wie wichtig ein Verband ist, der nicht wartet, bis sich etwas ändert, sondern selbst verändert, wissen wir aus der Geschichte der Frauenbewegung. 

Ohne aktive, unabhängige Frauen wären wir nicht da, wo wir heute sind. Denn durch das „selbst verändern“ und das „Zeichen setzen“ haben sich auch manche Strukturen verändert. 

Allerdings genügt das Verändern alleine nicht immer. Die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant verändert, Frauen waren nicht unbedingt die Gewinnerinnen. Also – gilt es auch das Verändern zu verändern. 

 

 

Frauen leben heute in vielfältigen Lebensformen mit verschiedenen personellen Zusammensetzun- gen. Dennoch werden Menschen, die nicht dem klassischen Familienbild mit Heirat, Eigenheim und zwei Kindern entsprechen, immer noch und immer wieder diskriminiert. Unter dem Zeichen der von vielen Seiten unterstützten „Kinderwunsch- politik“ findet die Lebensform „Alleinstehend“ wenig Anerkennung. Viele Sendungen und Bilder in Printmedien sind geeignet, Frauen, die alleine leben, Defizitgefühle oder zumindest das Gefühl, nicht dazuzugehören, zu vermitteln.

 

Gleichgesinnte Frauen, die ihre Existenz durch ihre Berufstätigkeit und ihre Rente im Alter selbst sichern wollen, schließen sich im vaf zusammen. Leider gehören zu den „Alleinstehenden“ auch viele, die ihre Existenz nicht aus eigener Arbeit sichern können, sondern auf schlecht bezahlte, geringfügige und andere im Niedriglohnbereich angesiedelte 

Arbeitsverhältnisse oder Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe angewiesen sind. Es gibt also noch viel zu tun, um die durch den vaf angestrebte „zukunftsorientierte Politik“, in der alle Menschen in Würde leben können, durchzusetzen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass keine Lebensform bevorzugt und keine benachteiligt wird und allen Menschen, egal aus welchem Land sie kommen und wie sie aussehen, gleiches Recht und Existenzberechtigung für die von ihnen gewählte Lebensform zugestanden wird. Um das zu erreichen, brauchen wir viele Netzwerke und Zusammenschlüsse und viele aktiv-unabhängige frauen. 

 

Dr. Gisela Notz

Bundesvorsitzende profamilia e.V